Bible moralisée aus Neapel

Bible moralisée aus Neapel f. 186r (Johannes 20, 15-17)

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f. 186r (Johannes 20, 15-17)

«Dies ist die Geschichte: wie unser Herr Jesus Christus Maria Magdalena erschien und ihr sagte: „Halte mich nicht fest“. So wie dies der Evangelist Johannes in seinem Evangelium, im zwanzigsten Kapitel schildert».

Die Illustration des Noli me tangere gehorcht in der christlichen Kunst einem unverrückbaren Schema: die vor dem Herrn auf die Knie gefallene Magdalena, der sie mit der Hand auf Distanz hält. Der Miniaturist B verstand es jedoch, dem Gemälde der Episode aufgrund der eigenen Kargheit eine beachtliche Monumentalität zu geben.  Die sehr weit oben auf der Seite angesetzte Horizontlinie lässt den beigen Fels, vor dem sich die Szene abspielt, eine beeindruckende Größe gewinnen. Ähnlich einer Mauer trennt er das Angesicht zu Angesicht-Stehen der Frau mit dem Messias von der restlichen Welt. Die Steile des Felsens wird später auf einer cremefarbigen Hochebene abgeschwächt, die den Blick sanft auf einen gold-polierten Himmel lenkt, der im Gegenlicht die dunkelgrünen Blätter der Bäume anstrahlt. Der Künstler nutzt hier sein unermessliches Talent als Kolorist: ein dritter mit malve gemischter Weißton schattiert die Silhouette Jesus, die überall von goldenen Strahlen umgeben ist. Sein Aussehen ist ernst, seine Züge sind ausgesprochen fein, auf der Schulter trägt er eine Gärtnerhacke: die Ikonografie Christi als Gärtner ist der Johannes-Erzählung entlehnt, die berichtet, dass Maria Magdalena weinend am Grab verblieb, als sie das Verschwinden des Körpers Christi entdeckte. Als ihr der Auferstandene erschien, glaubte sie zuerst den Gartenwächter zu sehen und fragte ihn, wo ihr Herr wäre. Als sie ihn schließlich erkennt, streckt sie die Arme aus, um ihn zu berühren, aber er gebietet ihr, ihn nicht festzuhalten, da er noch nicht zum Vater aufgefahren ist. Die zu Füßen des Herrn kniende Magdalena illuminiert die Seite mit einem großflächigen orangefarbigen Dreieck, an dessen Spitze ihr Kopf kaum befestigt scheint. Ihr langes, offenes Haar erinnert an die Sünderin der Evangelien, in der Szene des Mahls im Hause des Simon (f. 160v); die piktorische Sensibilität ist tatsächlich die eines Nachfolgers Giottos, der seine Palette mit einem höfischen Pinselstrich im Stile der in Avignon ansässigen italienischen Meister bereichert hat.


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