Psalterium

Psalterium f. 101v, Psalm 58, Entreiße mich, Gott, meinen Feinden

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f. 101v, Psalm 58, Entreiße mich, Gott, meinen Feinden

Die Miniatur dieses als „Lobgesang auf die Auferstehung“ beschriebenen Psalms setzt auf die Gegensätze in den von zwei Registern angebotenen Räumen. Noch einmal die Andeutung zu Beginn des Psalms aufgreifend (...quando missit Saül, et custodivit domus ejus, ut eum interficeret // Saul schickte Boten zum Haus Davids, die ihm auflauern und ihn am nächsten Morgen töten sollten), kehren wir zur Geschichte Sauls zurück, der das Haus Davids bewachen lässt, um seinem Leben ein Ende zu setzen(I Sam 19,11). Michal, Davids Frau, die die Pläne Sauls kannte, warnt ihren Gatten und lässt ihn durch das Fenster einen viereckigen Turm hinunter, der auf seine Wohnung anspielt, wodurch er sich vor seinem Verfolger in Sicherheit bringen kann („Deposuit eum per fenestram: porrò ille abiit, et aufugit, atque salvatus est“, I Sam 19,12). In derselben Szene wartet eine Gruppe widerlicher Soldaten vergeblich, während ihre Beute entkommt. Eine von ausgehungerten Hunden belagerte Stadt geht dieser Szene voran (V. 7, Convertentur ad vesperam: et famen patientur ut canes, et circuibunt civitatem// Abends werden sie zurückkehren: sie werden ausgehungert sein wie Hunde und um die Stadt herumstreunen). Parallel soll das Thema zum Ausdruck bringen, dass die Seele wie eine uneinnehmbare Festung erbaut werden muss, da sie selbst wenn sie sich Gott widmet, jederzeit angegriffen werden kann (V. 10 Fortitudinem meam ad te custodiam, quia Deus susceptor meus es // Für dich werde ich meine Stärke aufbewahren, denn du bist Gott mein Beschützer). All dies spiegelt sich in zwei aufeinanderfolgenden Sequenzen wider, die durch einen rötlichen Rahmen getrennt werden, aber in denen die architektonischen Elemente sehr markant sind.

David ist ein Vorläufer Christi. Dieser wird der Belagerung seiner Feinde, einschließlich der der Wachposten an seinem Grab, mit einer alle überraschenden Tat entkommen (V. 9, Et tu Domine deridebis eos: ad nihilum deduces omnes gentes // Aber du, Herr, wirst sie überlisten: alle Völker wirst du verblüffen). Der Triumph über einen Tod, der auch David verfolgt, und sein Ziel nicht erreicht, äußert sich in der Auferstehung. Mit ihr müssen selbst die Nahestehendsten überrascht werden, während sie gleichzeitig von dem römischen Wachposten, der im Tiefschlaf zu Füßen des Grabes liegt, gar nicht wahrgenommen wird. Nachdem der Deckel abgenommen wurde, erscheint Jesus aus dem Marmorsteinsarg hervorkommend, in einer der ersten expliziten Auferstehungsbilder, die in der katalanischen Malerei der Gotik bekannt sind. Erneut bricht die obere Abbildung vollständig den Rahmen und vergrößert die Figur Christi, der seine Wunden mit einem rosafarbenen Umhang bedeckt. In seiner rechten Hand schwingt er das zur Lanze gewordene Kreuz und in der linken eine Rolle mit einer erfundenen Inschrift. Das Thema ersetzt den gewöhnlichen Besuch der beiden Marias. Es ist zudem zu beachten, dass das Grab in diesem Fall dem Haus entspricht, das David fluchtartig verlassen hat, wie der heilige Augustinus ganz klar darlegt. Eine Vorstellung, welche die Auswahl der Auferstehung anstatt der Visitatio Sepulchri sicherlich begünstigt und gerechtfertigt hat.

In dem unteren Register werden zwei Bereiche definiert: der der für die Gottheit blinden Menschen, die mit verbundenen Augen auf einem Gelände eingeschlossen sind, und derjenige, der es ermöglicht, den Zustand der Blindheit zu überwinden und die Gegenwart Christi zu erfahren, um anschließend durch das Taufritual sich dem Neuen Gesetz anzuschließen. Die Bedeutung der Sehkraft hat eine erstrangige Bedeutung als Glaubenssymbol, das der alten blinden Synagoge und der Blindheit der Juden gegenübergestellt wird, die von den links zu sehenden Menschen dargestellt werden, die unfähig sind, den wahren Gott zu erkennen. Nur einige werden ihre mangelnde Sicht einräumen und von der neuen Kirche getauft werden. Ein Priester tauft in diesem Zusammenhang in einem gemeinsamen Becken erwachsene Männer, die sich dem heiligen Augustinus gemäß ad vesperam bekehren, nachdem sie Buße getan haben (Apostelgeschichte 2,38). Das Taufbecken mit lappenartigem Profil kann mit dem auf dem Altar des heiligen Markus (Manresa) und in dem Decretum Gratiani in London abgebildeten zusammenhängen. Die Juden werden mit den Hunden verglichen, die Hunger und Verlangen nach der göttlichen Gnade haben müssen, um Gott zurückzugewinnen. Dieser Vergleich kann die Belagerung der Stadt mit den verriegelten Toren nahegelegt haben, um die Hunde verschiedener Rassen und Farben herumziehen und streunen. Hauptdarsteller der letzten Szene des unteren Registers ist Christus auf einer kleinen Anhöhe, mit einer Rolle in jeder Hand und unter dem Raum, welcher der Auferstehung gewidmet ist. Hier scheint Christi Himmelfahrt auf dem Berg Taber durch, obgleich es sich nicht um diese Episode handelt, deren Abbildung später auf f. 132r erscheint. Die Zahl der Anwesenden ist nicht die gewöhnliche und wir können daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass es sich um eine allgemeine Anspielung auf die göttliche Gegenwart handelt, die sich aus den vorherigen Überlegungen im Zusammenhang mit der Bekehrung und der Annahme des göttlichen Gesetzes, des neuen Gesetzes, ergibt, nachdem das alte Gesetz hinfällig geworden ist.
 


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