Stundenbuch der Johanna I. von Kastilien, die Wahnsinnige

Stundenbuch der Johanna I. von Kastilien, die Wahnsinnige f. 21r, Der Judaskuss

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f. 21r, Der Judaskuss

Der einen Münzbeutel mit sich führende Judas küsst Christus, während die Soldaten zu seiner Festnahme schreiten. Christus erscheint in gelassener und resignierter Gebärde, die Hände vor dem Bauch verschränkt; er trägt eine violette Tunika und geht barfuß. Judas wird mit einer markanten Nase, roten Haaren und in gelbem Gewand dargestellt. Die Neid symbolisierende Farbe, die für den Juden und den Verräter verwendet wird. Der Künstler hat ihm das Aussehen gegeben, das der kirchliche Antisemitismus den Juden zuschrieb.

Die Szene spielt sich auf dem Ölberg ab, wo man zwei Jünger entfliehen sieht. Auf der rechten Seite erhebt Petrus ein Schwert, in dem sich das Licht der Fackel spiegelt, um dem schreienden Malchus, der kniend eine große Lampe in der Hand hält, den Kopf abzuschlagen. Jerusalem ist hinten links nach dem Vorbild einer flämischen Stadt zu Lebzeiten des Künstlers auszumachen.

Der Verrat war eine der ersten Szenen der Leidensgeschichte, die dargestellt wurden. Zum ersten Mal wurde er im 4. Jahrhundert abgebildet, und seit damals ist er immer wieder in den mittelalterlichen Zyklen erschienen. Er taucht sogar in der byzantinischen Kunst auf, die nur wenige Szenen der Passion verwendete. Um das Jahr 800 sind schon Bilder gefunden worden, auf denen Christus, während er von Judas geküsst wird, seine Hand erhebt, um den Angriff Petrus’ auf Malchus zu verhindern. Dieses Bild wird sich weiter entwickeln und Christus wird sogar Malchus heilend dargestellt werden, was in der Kunst der Gotik zu einer weit verbreiteten Szene werden wird.


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