Buch der Schätze ist eine Enzyklopädie, die von Brunetto Latini während seines Exils in Frankreich (1260-1267) geschrieben wurde. Latini war ein florentinischer Politiker, Dichter, Historiker, Philosoph und Dantes Lehrer. Der Kodex besteht aus drei Teilen, die alle drei in französischer Sprache verfasst sind. Der erste Teil beginnt mit der Bibelgeschichte, der Geschichte Troyas und der Geschichte des Mittelalters, darauf folgt eine Abhandlung über Naturgeschichte, die sich aus einem enormen Wissen über Astronomie und Geographie zusammensetzt. Dieser Teil beschreibt einige Tier- und Vogelarten im Detail. Der zweite Teil handelt von Ethik und behandelt sowohl Ideen klassischer als auch zeitgenössischer Moralisten. Er studiert die Laster und Tugenden der Menschheit. Der dritte Teil ist der originellste von allen dreien. Er handelt von Politik und der Kunst zu Regieren, was nach der Meinung des Autors die nobelste aller Wissenschaften ist.
Die Miniaturen in diesem Kodex sind außerordentlich abwechslungsreich. Die Ränder von 18 Folios sind mit Arabesken und Marginalverzierungen ausgefüllt. Groteske Charaktere und eigenartige Zwerge verzieren das Ganze. Musiker spielen Trompete, Orgel, Dudelsack und andere Instrumente. Neben vielen anderen wundervollen Miniaturen, findet man in dieser Enzyklopädie auch die Schaffung Evas. Nach der Meinung von Constantinova sind die Tiere und Ungeheuer, verkleidete, fahrende Spieler, die in das Kostüm der jeweils dargestellten Tiere geschlüpft sind.
Die Marginalzeichnungen im St. Petersburger Kodex sind die ältesten und höchstentwickelten dieses Genre in der Geschichte der europäischen Miniaturen. Constatinova ist davon überzeugt, dass die Illustrationen in einer nicht-religiösen Werkstätte in Paris angefertigt wurden und hebt den Einfluss englischer Miniaturen in den zauberhaften Charakteren hervor.