Das Buch der Einfachen Heilmittel

Russische Nationalbibliothek in Sankt Petersburg




Signatur: Fr. F.v. VI #1
Datierung: Frankreich, Ende des 15. Jhdt./ Beginn des 16. Jhdt.
Format: 260 x 355 mm.
340 Seiten, mit einem prächtigen ikonographischen Atlas mit 386 Abbildungen.
Einband: braunes Leder mit goldener Verzierung.
Lederschuber.
Monographischer Kommentarband in Vielfarbendruck (432 S.) von José María López Piñero (†) (López Piñero Institute for the History of Medicine and Science, Universidad de Valencia – Spanish National Research Council), Natacha Elaguina (Head curator of the western manuscripts of the National Library of Russia) und Carlos Miranda (Doctor in History).
Erste, einzige und unwiederholbare auf 987 Exemplare limitierte und notariell beglaubigte Auflage
ISBN: 978-84-88526-69-4


Signatur: Fr. F.v. VI #1
Datierung: Frankreich, Ende des 15. Jhdt./ Beginn des 16. Jhdt.
Format: 260 x 355 mm.
340 Seiten, mit einem prächtigen ikonographischen Atlas mit 386 Abbildungen.
Einband: braunes Leder mit goldener Verzierung.
Lederschuber.
Monographischer Kommentarband in Vielfarbendruck (432 S.) von José María López Piñero (†) (López Piñero Institute for the History of Medicine and Science, Universidad de Valencia – Spanish National Research Council), Natacha Elaguina (Head curator of the western manuscripts of the National Library of Russia) und Carlos Miranda (Doctor in History).
Erste, einzige und unwiederholbare auf 987 Exemplare limitierte und notariell beglaubigte Auflage
ISBN: 978-84-88526-69-4





Kommentarband

Das Buch der Einfachen Heilmittel Russische Nationalbibliothek in Sankt Petersburg


Contents:

From the editor to the reader

The Livre des simples médecines, codex of the National Library of Russia
José María López Piñero (†) (López Piñero Institute for the History of Medicine and Science, Universidad de Valencia – Spanish National Research Council)

Codicological study
Natacha Elaguina (Head curator of the western manuscripts of the National Library of Russia)

The illustrations in the Livre des simples médecines, of the National Library of Russia
Carlos Miranda (Doctor in History)

ISBN: 978-84-88526-68-7






Beschreibung

Das Buch der Einfachen Heilmittel Russische Nationalbibliothek in Sankt Petersburg


Le Livre des simples médecines (Das Buch der Einfachen Heilmittel), der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg, ist ein einzigartiger Kodex, nicht nur wegen der wunderschönen Abbildungen, sondern auch weil er dem Höhepunkt des europäischen Wissens des Mittelalters in Hinblick auf die Substanzen der drei Reiche der Natur entspricht, welche die Krankheiten heilten oder zumindest linderten.

Besagtes Wissen stammte aus dem klassischen Altertum. Die medizinischen Bücher in Griechisch wurden in Europa mit Hilfe lateinischer Übersetzungen indirekt über das Arabische wieder zugänglich, während sie gleichzeitig mit den Heilmitteln aus der islamischen Welt bereichert wurden. Diese Übersetzungen wurden im 11. Jahrhundert begonnen und hatten als erstes Zentrum die Stadt Salerno. In ihr arbeitete im darauffolgenden Jahrhundert Matthaeus Platearius, jener Arzt, dem man De medicinis simplicibus (Über die Einfachen Heilmittel) zuschreibt, die wichtigste und einflußreichste aus Salerno stammende Abhandlung zu diesem Thema.

Der in Sankt Petersburg aufbewahrte Kodex wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Frankreich für den Grafen Karl von Angoulême und seine Gattin Luisa von Savoyen angefertigt. Er beinhaltet einen 220 Seiten langen Text, der in fünf Abschnitte unterteilt ist: Pflanzen und Blumen, Bäume und deren Gummi und Harz, Metalle und Minerale, Tierprodukte und andere Stoffe. Dem Text folgt ein prächtiger Atlas von 116 Seiten, die 386 Abbildungen bereichert sind. Der Kern des Textes ist die französische Übersetzung des Matthaeus Platearius zugeschriebenen Leitfadens, dem Kapitel aus Werken der drei darauffolgenden Jahrhunderte hinzugefügt werden, in welchen das Wissen über die medizinischen Substanzen erweitert worden war, ausgehend von den hauptsächlich in Toledo verfaßten Übersetzungen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Atlas, dessen Autor – bei dem es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den großen Künstler Robinet Testard handelt - mittelalterliche realitätsferne oder schematische Abbildungen mit anderen, realistischen, zusammenbringt, welche die renaissancetypische „Rückkehr zur Natur" wiedergeben. Die meisten Abbildungen stellen medizinische Pflanzen dar und in geringerem Maße auch tierische oder mineralische Heilmittel. Es gibt aber auch Szenen mit Personen, die mit dem Sammeln derselben beschäftigt. Als Beispiel können wir jene sechs Szenen nennen, die auf zwei Seiten des Atlas abgebildet sind. Die sogenannte "Aloe" (f. 143 r) bezieht sich nicht auf jene Aloe, aus der man den Aloensaft gewinnt, sondern auf das mit Harz getränkte Aloeholz, welches in der damaligen Zeit oft durch das des Oleasters ersetzt wurde. Die anderen drei stellen die Gewinnung von Gold, Alaun und Antimonit dar; letzteres wurde damals als Desikkativ verwendet.
Im 16. Jahrhundert haben zwei Ärzte dem Kodex eine Reihe von Anmerkungen hinzugefügt, was dieses Werk besonders wertvoll macht. Beide hatten bereits eine ausgeprägte Mentalität der Renaissance und verfügten über griechische Ausgaben und direkte lateinische Übersetzungen der medizinischen Bücher aus der Antike. Deshalb hielten sie die im Kodex verwendeten Begriffe für „ungebildet" und fügten andere griechische und lateinische Wörter hinzu, die manchmal von eigenen Kommentaren begleitet wurden.

Aloe (Aloe):

Die Aloe dient zur Reinigung des Phlegmas und der Schwermut, zur Beruhigung der Nerven und des Magens, zum Ablassen kalter Stimmungen, für Augenjucken und zur Erhellung des Sehvermögens. Gegen den Kopfschmerz sowie die Verstopfung der Leber und der Milz. Sie ruft den Menstruationsausfluss bei Frauen hervor. Sie dient auch gegen Räude und die Verdorbenheit. Zudem lässt sie diejenigen wieder eine gesunde Farbe erlangen, die diese aufgrund einer Krankheit eingebüßt haben. Zur Blutstillung einer Wunde und zu ihrer Auflösung. Zudem vermeidet sie den Haarausfall. Sie treibt die Würmer aus dem Bauch und sonstige Tiere, die in die Ohren eindringen. Abschließend hilft sie gegen Gicht und die Entzündung der Ohren.

Knoblauch (Allium):

Das Allium ist der Knoblauch. Der Knoblauch ist warm und trocken im vierten Grade, obgleich manchen zufolge auf der Hälfte des vierten Grades. Es gibt zwei Arten von Knoblauch: die erste ist die Kulturpflanze des gemeinen Knoblauchs, die andere die des wilden Knoblauchs, die Scordeon genannt wird. Er ist weniger warm und trocken als der gemeine Knoblauch. Anderen Autoren zufolge kann man beide nicht unterscheiden. Der Wildknoblauch wirkt auf gemäßigte Weise und ist der, den man anstatt des gemeinen Knoblauchs verwenden sollte, denn dieser wirkt heftig. Wir benutzen die Blüten des wilden Knoblauchs, die Ende des Frühjahrs geerntet werden sollten, im Schatten zum Trocknen aufgehängt und zwei Jahre lang in einer Kiste aufbewahrt werden können. Die besten Knoblauchblüten sind allerdings die in jedem Jahr frisch geernteten. Vom Hausknoblauch benutzen wir die Zwiebel. Er hat die Heilkraft Gift abzubauen und auszustoßen und hilft gegen Bisse giftiger Tiere, indem man auf die Wunde verflüssigten Knoblauch auflegt. Auch getrunkener Knoblauchsaft treibt das Gift aus dem Körper und deshalb wird er auch als das Gegengift der Bauern bezeichnet. Gegen Spulwürmer muss man Knoblauch, Pfeffer, ein wenig Petersilie und Pfefferminzsaft nehmen und damit eine Soße zubereiten. Der Patient wird das Brot in diese Soße tunken und sie essen. Um die Leber- und Harnwege zu öffnen, sollte man eine ähnliche in Wein und dem Saft wassertreibender Pflanzen verdünnte Soße zubereiten. Gegen Harnobstruktion und Schmerzen der Eingeweide nimmt man Knoblauch und kocht ihn in Öl. Damit macht man ein Pflaster, das man im Bereich des Schambeins und des Penis auflegt. Und um bei Frauen die Menstruation hervorzurufen, muss man eine Knoblauchzehe in den Muttermund stecken, da dies den blockierten Menstrualausfluss abfließen lässt. Konstantin sagt, dass in Wasser gekochter Knoblauch dieselbe Wirkung hat, in dem sich die Frau nur bis zum Nabel baden soll. Man kann den Knoblauch auch in Öl kochen und einen Wattebausch in dieses Öl tauchen, den man dann in die Vagina einführt. An den Stellen, an denen die Haut ihre Farbe verloren hat und Sklerodermie auftritt, mit der Lanzette eine Inzision an verschiedenen Orten machen und auf dem Einschnitt gebratenen Knoblauch verreiben und ihn später als Pflaster auftragen. Gegen den Herpes esthiomenos nimmt man Knoblauchzwiebeln und ihre Blätter mit ein wenig Pfeffer und brät alles zusammen, um ein Pflaster vorzubereiten. Dieses Präparat zersetzt die Materie. Der Knoblauch ist schädlich für die Sehkraft, da er austrocknet. Er schädigt bei übermäßigen Gebrauch den ganzen Körper, den er erzeugt Lepra, Schlaganfall und viele andere Gebrechen. Die Blüten des wilden Knoblauchs sind diuretisch. Man muss sie mit Wein, Sirup oder irgendeinem sonstigen Getränk zu sich nehmen. Sie sind auch bei Harnobstruktionen aller Art nützlich. In den Rezepten des Antidotariums erscheinen sehr wenige, in denen man den gemeinen Knoblauch benutzt, aber zahlreiche mit wildem Knoblauch, da dieser in seiner Wirkung weitaus milder ist.

Sellerie (Apium):

Auch Apium und Ache genannt dient er gegen Harnobstruktion, zur Behebung der Leber- und Milzverstopfung, gegen Milzfettleibigkeit, die Gelbsucht, Wassersucht, den Überfluss an Langmut, die Tobsucht und das täglich wiederkehrende Fieber. Der Sellerie ist für Frauen, Kindern und Epileptiker, die stürzen, schädlich. Es gibt drei Selleriesorten: eine ist der Stangensellerie, der auf französisch ache de rammes heißt und gegen Nierenschmerz, gegen Harnverstopfung, Magenkrämpfe und und Milzbrand hilfreich ist. Der andere Sellerie ist der Knollensellerie, auf französisch ache de ris, hilft den Milzkranken, gegen Harnverstopfung, gegen Steinleiden und auch, um den blockierten Menstruationsausfluss auszuscheiden und er macht die Geschwülste reif. Abschließend der Schnittsellerie, auf französisch ache de morroydes, hilft, um Hämorriden zu trocknen, für Mondsüchtige und gegen die schwarzen Flecken, die von Narben zurückbleiben.

Borretsch (Ochsenzunge:

Der Borretsch ist eine sehr häufig vorkommende Pflanze, die stachelige Blätter hat und die auch Ochzenzunge genannt wird. Sie ist im ersten Grade warm und feucht. Die Blätter haben nur solange Heilkraft wie sie grün sind, im trockenen Zustand geht sie verloren. In geringerem Maße als die Blätter dienen die Samen in der Medizin. Er hat die Heilkraft gutes Blut entstehen zu lassen und aus diesem Grund ist er Frischgenesenen hilfreich, die dafür anfällig sind, einen Krampf oder einen Herzfehler zu erleiden oder eben ein Herzleiden haben. Für Herzkranke oder von Melancholie Geplagte ist es sehr nützlich, Borretsch mit Fleisch oder mit Talg oder Fett zubereitete Eintöpfe zu essen. Gegen Synkopen oder Krämpfe sollte man einen Sirup aus Borretschsaft mit Zucker zubereiten. Gegen Herzerkrankungen macht man ebenfalls einen Sirup aus Borretschsaft mit Zucker, denen man Knochenstaub aus dem Herzen eines Hirsches beigibt. Gegen Schwermütigkeit sowie gegen Epilepsie Fistelrohr in Borretschsaft kochen und aus dieser Abkockung einen Sirup zubereiten. Falls man dieses Kraut nicht hat, dann die Samen in Wasser kochen, dieser Sud wird gesiebt und danach bereitet man einen Sirup. Die trockenen Samen kann man problemlos zwei Jahre lang aufheben. Die Wurzel ist für die Verwendung in der Medizin überhaupt nicht geeignet. Roh verzehrter Borretsch lässt ebenfalls gutes Blut entstehen. Gegen die Gelbsucht sollte man ihn häufig mit Fleisch gekocht essen sowie Borretschsaft zusammen mit Endiviensaft trinken, bei dem es sich angeblich um eine Salatsorte handeln soll.


Kichererbse (Cicer): Cicer ist eine Pflanze, an der die Samen wachsen, die wir als Kichererbsen bezeichnen. Und so muss man, wenn man in einem Rezept Cicer findet, davon ausgehen, dass es die Hülsenfrüchte sind und keine anderen Teile der Pflanze. Die Kichererbsen sind sehr nahrhaft und gut für den Bauch, treiben den Harn und die Menstruation und die Frucht bei den Frauen ab. Sie erzeugen immer Winde und verursachen daher Blähungen. Aus demselben Grund erhöhen sie den Samen der Zeugung und steigern die Fleischeslust und befördern sie. Es gibt zwei Arten von Kichererbsen: Die grünen, die noch nicht reif geworden sind und die trockenen, die bereits herangereift sind. Die beiden Arten der Kichererbsen lassen sich mit den trockenen und den grünen Saubohnen vergleichen. Da die grünen Kichererbsen in ihrer Heilkraft und Wirkung den grünen Saubohnen und die getrockneten Kichererbsen den getrockneten Saubohnen ähneln, aber nicht in allem. [...] Die weißen Kichererbsen sind warm im ersten Grad und feucht in der Mitte dieses Grads. Sie haben zwar die Größe und Nahrhaftigkeit der Saubohnen, sind aber nicht so gut, weil sie schwerverdaulich sind und so viele Winde erzeugen, die das Fleisch des ganzen Körpers aufblähen und anschwellen lassen mit einer ähnlichen Wirkung wie wenn man Wein auf sehr trockene Erde schüttet oder der der Hefe in den Nudeln. Dies ist der Grund, weshalb diejenigen, die diese Kichererbsen konsumieren, so schöne und strahlende Haut haben, denn das angeschwollene Fleisch dehnt die Haut und macht sie glänzend und klar. Und die Hilfe, die sie bei der Erhöhung der Zeugung leisten, beruht auf zwei Ursachen. Einerseits sind sie ausgesprochen nahrhaft und liefern somit Zeugungsmaterial im Überfluss. Der andere Grund ist wegen der Blähungen und Entzündung, die sie hervorrufen. [...] Wenn sie gekocht werden oder in Wasser gelassen werden, hinterlassen sie in ihm eine gewisse Süße und auch eine Art Speichel. Wegen dieser Süße sind die Kichererbsen stoffwechselanregend, abführend und fördern das Absondern von Sekret und die Entleerung. Sie sind auch sehr nahrhaft und befördern die Milchabsonderung bei Frauen. Die Kichererbsen sind auch sehr nützlich für die an Gelbsucht Erkrankten und die Wassersüchtigen, zudem zersetzen und lösen sie Geschwüre auf, vor allem diejenigen an den Genitalien und hinter oder vor dem Ohr. Durch den Anteil salzigen Geschmacks mindern die Kichererbsen andererseits und vertreiben die schlechte Laune, sind harntreibend und treiben die Menstruation ab. Sie beheben auch das Jucken am Kopf und am ganzen Körper, wenn man den betroffenen Bereich mit dem Wasser wäscht, in dem sie gekocht wurden. Dasselbe Rezept heilt den springenden und nicht-springenden Herpes und reinigt auch die Haut. [...] Sie helfen auch dabei, dass das Kind geboren wird und problemlos den Bauch seiner Mutter verlässt. Sie vertreiben auch die Spulwürmer aus dem Bauch. Sie sind auch nützlich bei Gelbsucht und Verstopfung von Leber und der Galle und zerstören Nieren- und Blasensteine, doch sind sie schädlich für die Verletzungen und Scheuerwunden der Blase und der Nieren.


Alraune (Mandragora): Die Alraune ist kalt und trocken, doch die Autoren bestimmen nicht in welchem Grade. Bekanntlich gibt es zwei Arten der Mandragora: die männliche und die weibliche Alraune. Die weibliche Alraune hat runzlige Blätter und einige meinen, dass sie als Medizin besser als die männliche sein soll, doch wir verwenden beide ohne Unterschied. Es wird auch gesagt, dass die weibliche Alraune, die Form eines Männchens hat, doch dies stimmt nicht, denn die Natur würde niemals einer Pflanze menschliche Gestalt verleihen. Allerdings stimmt es, dass einige aus ihr Figuren mit menschlicher Gestalt schnitzen, so wie wir das bei einigen Leuten auf dem Land gesehen und gehört haben. Die Wurzelrinde ist als Medizin am nützlichsten, danach die Beeren und an dritter Stelle die Blätter. Die Wurzelrinde kann nach ihrer Ernte vier Jahre lang aufbewahrt werden, ohne dass sie ihre Heilkraft einbüßt. Sie hat die Heilkraft zu kühlen, zu beruhigen und abzutöten, daneben schläfert sie ein und anästhesiert, was ja das gleiche ist. Um einen Kranken mit Fieber einzuschläfern, muss man die Wurzelrinde der Alraune mit Frauenmilch und Eiweiß kandieren und anschließend auf Stirn und Schläfen streichen. Gegen von Hitze verursachten Kopfschmerz müssen die Blätter gestampft und dann auf die Schläfen gelegt werden. Man kann auch den Kopf mit Alraunenöl einschmieren, das wie folgt zubereitet wird: zuerst werden die Beeren der Alraune gestampft und für lange Zeit in Öl eingelegt. Danach werden sie auf das Feuer gestellt, damit sie ein wenig kochen und zuletzt wird das Öl gefiltert, das Alraunenöl genannt wird. Es ist hilfreich beim Einschlafen sowie gegen von Hitze hervorgerufenen Kopfschmerz, wenn man Schläfen und Stirn mit ihm einreibt. Wenn mit diesem Öl die zuckenden Venen, die wir als Pulsschläge bezeichnen, eingerieben werden, dann wird die von dem Fieber verursachte Hitze besänftigt und geht zurück. Eiternde Geschwüre sollten möglichst früh mit diesem Öl eingerieben werden und dann wird der Eiter austreten. Hierzu dienen auch die Beeren und auch die Blätter der Alraune, seien sie geschnitten oder zerkleinert oder zumindest der Staub der Blätter mit dem Saft einer kalten Pflanze, die auf das Geschwür aufgetragen werden. Gegen von Säure verursachten Durchfall und den Kummer des cholerischen Gemüts sollte man den Bauch und die ganze Wirbelsäule mit diesem Öl einreiben und man kann auch ein bißchen als Einlauf verabreichen. Manche bezeichnen diese Pflanze als Antimelon und Anthropomorphon und ihren Samen als Albarolos.

Opio (Opium):

Das Opium ist kalt und trocken im vierten Grad. Es gibt zwei Arten Opium genannter Arzneimittel. Eines ist das Opium aus Theben oder das thebanische, weil es in überseeischen Gebieten, in dem Land Theben hergestellt wird und es ist der aus Schlafmohn hergestellte Saft, wie später gesagt wird. Das andere ist das sogenannten Triniakon-Opium, das – wie man später sagen wird – sehr schlecht riecht. Doch jetzt möchten wir über das aus Schlafmohn hergestellte Opium sprechen, das aus dem oben genannten Grund Opium aus Theben heißt und in folgender Weise gewonnen wird: um den Kopf und auch um die Blätter des Schlafmohns macht man einige Schnitte oder Inzisionen, die austretende Milch fängt man im Umfeld dieses Kopfes und später sammelt man sie ein und dies ist das, was man Opium nennt. Dieses aus dem Gebiet um Theben stammende Opium ist das beste, doch es wird auch in der Nähe einer Stadt in Apulien, die Trani heißt, produziert und es ist das sogenannte tranensische Opium, das nicht so gut ist. Das beste Opium ist das aus Theben, das einen sehr schlechten Geschmack hat, weder sehr hart noch sehr weich ist und dessen Farbe rötlich ist. Doch das thebanische Opium ist härter als das tranensische. Es kann neun Jahre lang aufbewahrt werden, da es im zehnten Jahr schlecht wird. Es wird den Arzneimitteln hinzugegeben, um die Kraft der heißen Arzneien zu verringern und zu mindern. Die Arzneimittel, denen Opium hinzugefügt wird, nennt man Opiate. Es hat die Heilkraft zusammenzuziehen und abzutöten, doch hat es nicht diese Wirkung, wenn es heißen Arzneien hinzugefügt wird, da diese dies verhindern. Um einen Kranken einzuschläfern, sollte das Opium in Frauenmilch aufgelöst, Mandragora-Staub hinzugefügt und ein Balsam gemacht werden, mit dem ihm die Schläfen eingerieben werden. Gegen die heißen Geschwüre wie z.B. das als Wundrose bezeichnete Geschwür, das von einem cholerischen Gemüt hervorgerufen wird, oder den Herpes esthiomenos, der ein zerstörendes Geschwür ist und alles in seinem Umfeld verschlingt, muss man das Opium mit dem Saft einer Wegetritt genannten Pflanze oder mit dem Saft weißen Bilsenkrauts zubereiten und später einen Umschlag machen. Wenn man Opium nimmt und die Menge eines Carobs zu sich nimmt, schläfert es ein und tötet alle Sinne des Menschen ab, so dass jeder Schmerz verschwindet und man einschläft. Für sehr starken Schmerz, der schwer zu überwinden ist, das Opium mit Frauenmilch und rötlichem Öl kandieren und daraus einen Umschlag machen. Und es ist möglich, dass der Schmerz sich auf diese Weise beruhigt, da man den Ort, wo es aufgetragen wird, abtötet und somit kein Schmerz mehr vorhanden ist. Allerdings kann es später schädigen, weil das Opium die Materie an dem Ort belässt und sie weder verdunsten noch sich auflösen lässt.



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