Dioskurides von Cibo und Mattioli

Dioskurides von Cibo und Mattioli Strauß-Narzisse, Weiße Narzisse, F. 59r

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Strauß-Narzisse, Weiße Narzisse, F. 59r

"Ihre Blätter ähneln jenem des Lauchs, sie sind dünn, aber wesentlich kleiner und schmaler. Der Stängel ist hohl, blattlos und länger als eine Spanne. Die Blüten sind weiß, innen gelb und bei manchen rötlich. Die Wurzel ist zwiebelförmig, rund und innen weiß; die Samenkörner schwarz und lang und wie von einer Membran umschlossen.
Die begehrteste Blume wächst in den Hügeln und verströmt einen süßen Duft; alle anderen riechen nach Gras oder Lauch. Die gekochte Wurzel führt gegessen oder getrunken zum Erbrechen; zerkleinert und mit etwas Honig als Salbe aufgetragen, lindert sie Brandwunden; als Wickel angewendet, heilt sie zerschnittene Nerven; als Wickel mit Honig hilft sie bei Knöchelverstauchungen und lang anhaltenden Gelenksschmerzen. Mit Essig und Brennnesselsamen vermischt reduziert sie Gesichtsflecken und weiße Hautflecken. Mit Honig und Wicke eingesetzt reinigt sie Geschwüre von Eiter und bringt langwierige Abszesse zum Aufbrechen. Als Wickel mit Taumel-Lolch-Mehl und Honig treibt sie jeden im Körper sitzenden Fremdkörper heraus.
Eine andere Art der Narzissen wächst auf den Wiesen im Gebirge. Ihre Blätter ähneln jenen der anderen Narzisse, sie werden jedoch weißer. Auch der Stängel ist wie jener der anderen Narzisse hohl, lang, dünn und glatt. Oben am Stängel sitzt eine einzige, wie bei der anderen Narzisse leicht hängende Blüte, die so groß wie eine Moschus-Rose, aber weißer ist. Sie weist sechs Blütenblätter und eine kleine Nebenkrone mit rotem Rand auf, die breiter und flacher als jene der anderen Nelke ist.  In der Mitte der genannten gelben Nebenkrone befinden sich etwa drei ebenfalls gelbe Staubblätter von der Größe eines Hanfkorns.
Ihre Wurzel ist zwiebelförmig, außen schwarz und innen weiß. Die Blüte verströmt einen starken, süßen Duft, der etwas an Jasmin erinnert, aber angenehmer ist. Die gesamte Pflanze bringt nur einen Stängel mit einer einzigen Blüte hervor.
Gaspare Marchetto dei Rocca Contrada und ich fanden sie zum ersten Mal auf dem Berg Sassoferrato und danach auf dem Berg Sigillo im Mai 1557. Sie blüht von April bis Mitte Mai."

Dioskurides von Cibo und Mattioli (f. 58v)

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