Brevier von Isabella der Katholischen

Brevier von Isabella der Katholischen f. 29r, Weihnachten

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f. 29r, Weihnachten

In der eigentlich den Heiligen vorbehaltenen Temporal-Abteilung angeordnet bricht diese Malerei zusammen mit der der Epiphanie stilistisch mit diesem Teil, der fast vollständig von dem Meister des Dresdner Gebetbuchs angefertigt worden ist. Sein Urheber ist Gérard David (ca. 1460-1523) während der ersten Arbeitskampagne an dem Manuskript. In der zweiten Phase leistetet er mit dem Porträt der Heiligen Barbara im Heiligenkalender (f. 297r.) einen weiteren Beitrag. Eine dritte, von einem zur Werkstatt von Gérard Horenbout (ca. 1465- ca. 1540-1541) gehörenden großen, unbekannten Maler, ein Maler der den ersten Teil des Stundenbuchs der Johanna I. von Kastilien schuf oder vielleicht von Gérard David in Zusammenarbeit mit diesem geschaffene ebenfalls im Heiligenkalender zeigt den Heiligen Evangelisten Johannes beim Schreiben auf der Insel Patmos (f. 309r.).

 

Das Weihnachts-Gemälde stützt die Hypothese, dass die erste Ausführungs-Kampagne des Breviers während der zweiten Hälfte der 80er Jahre des 15. Jahrhunderts stattfand. Dieses Gemälde zeigt einen offensichtlichen Einfluss der Werke von Hugo van der Goes (ca. 1440-1482), vor allem des Portinari Triptychon von 1475-1476 (Florenz, Uffizien-Museum). Das Weihnachts-Gemälde wird mit fünf weiteren Versionen in Zusammenhang gebracht, in denen Gérard David einige Motive erprobt. In diesem Zusammenhang ist die Gruppe in der Mitte praktisch mit der Weihnacht von Friedsam (New York, Metropolitan Museum) gleich und das Gesicht der Gottesmutter mit dem im Kunstmuseum von Cleveland, einer von der vorherigen abweichenden Komposition. In der intimen Atmosphäre, die auf der linken Seite eine diagonal erfasste Wand schafft, welche die Gemäldeebene aufbricht und der Hirten, die sich über diese Maueröffnung lehnen, existiert ein Einfluss der Weihnacht im Stundenbuch des William Lord Hastings (London, The British Library, Add. Ms. 54782, f. 106v.), höchstwahrscheinlich von Sanders Bening (1444/1445-1519) gemalt, gleichzeitig Mitautor des Stundenbuchs der Johanna I. von Kastilien. Dass für die Ausführung der Weihnacht sowie der anderen zwei vorher genannten Gemälde die Wahl gerade auf Gérard David fiel, spiegelt die Wertschätzung dieses Malers durch den Eigentümer oder den ersten Auftraggeber dieses Kodex wider. Davids Stil zeichnet sich gegenüber dem der anderen beiden Maler – und Mitarbeiter ihrer jeweiligen Werkstätten -, die den größten Teil der Malereien des Kodex beisteuerten, durch die abgestufte Verstärkung mit unzähligen, mit der Pinselspitze aufgetragenen kleinen Pigmentstrichen aus; eine Technik, die der auf den wenigen diesem Maler zugeordneten Zeichnungen benutzten Methode zur Modellierung von Gesichtszügen ziemlich ähnlich ist.

 

Umrahmt von einer Randverzierung weißer Akanthus, die Blumen und Früchte hervorbringt und auf der einige Vögel sitzen, neben einem Stengel violetter Blumen auf goldenem Hintergrund, all dies in Übereinstimmung mit den das Gemälde dominierenden Farben, zeigt dieses die Geburt Christi so wie sie gewöhnlich Ende des 15. Jahrhunderts erscheint, auf der Linie der italienischen Ikonographie des beginnenden 14. Jahrhunderts wie eine Textillustration der Messe in den Liturgiebüchern - wie man es zum ersten Mal um 1300 an der Initiale D des Introitus zur ersten Weihnachtsmesse des Graduales der Gisela von Kerssenbrock (Osnabrück, Gymnasium Carolinum, Bibliothek) sehen kann – wozu noch die Autorität hinzugefügt werden muss, welche die Ansicht der Revelationes der Heiligen Birgitta von Schweden (1303-1373) verlieh. Das Jesuskind liegt völlig nackt auf einer Mantelfalte der Gottesmutter, die es kniend anbetet – es so als Erlöser der Welt ausweist – zusammen mit dem Heiligen Josef, der eine kleine brennende Kerze – Symbol des menschlichen Lichts, das gegenüber Christus, dem Licht der Welt, schon nutzlos geworden ist – in der Hand hält und drei Engeln mit mehrfarbigen Flügeln. Der Stall ist in Wirklichkeit ein verfallener Bau – der den Niedergang der alten Welt und des Judentums veranschaulicht und gleichzeitig in besonderer Weise mit der Prophezeiung des Amos (Am. 9:11) über die Wiederaufrichtung der zerfallenen Hütte Davids in Verbindung gebracht wird – aus Steinquadern, in dem ganz hinten der Stier und der Esel auszumachen sind.

 

Schließlich muss auch der perfekte Umgang mit der Landschaft hervorgehoben werden, die durch die Stallfenster wahrgenommen wird sowie die Benutzung einer äußerst gelungenen empirischen Perspektive.

 

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