Die Kriegerprinzessin, f. 95v

Das Buch der Wunder der Welt, Marco Polo - Odorich von Pordenone

Die Kriegerprinzessin, f. 95v


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Von der Kraft und dem Mut einer der Töchter Qaidus

König Qaidu hatte eine Tochter namens Agiaint, was in der tartarischen Sprache "Glänzender Mond" bedeutet. Sie war so schön und besaß so viel Kraft und Mut, dass kein Mann im gesamten Königreich ihres Vaters sie überwältigen konnte; sie zwang sie alle in die Knie. Ihr Vater versuchte mehrmals, sie zu verheiraten, doch sie wollte nichts davon hören. Sie erklärte, dass sie nur einen Mann heiraten würde, der sie durch bloße Körperkraft bezwingen könne. Der König willigte in ihre Bitte ein; er gewährte ihr das Privileg, wen und wann immer es ihr beliebe zu heiraten. In der Tat war Qaidus Tochter an allen Gliedern so wohlgestaltet und so groß und stark gebaut, dass sie einer Riesin nicht unähnlich war. Sie ließ überall verkünden: Wenn es einem jungen Edelmann, der kommen und seine Kräfte mit ihr messen wollte, gelänge, sie zu bezwingen, würde sie ihn zum Ehemann nehmen; doch wenn sie ihn überwältigte, verwirkte er 100 Pferde an sie. Viele Söhne von Edelleuten trafen ein, um sich mit ihr zu messen, und sie hatte ihnen mehr als 10.000 Pferde abgewonnen, denn sie fand niemanden, den sie nicht überwältigte.

Im Jahre 1280 traf ein edler junger Mann in dem Land ein, der Sohn eines reichen und mächtigen Königs. Er war tapfer, mutig und stark und hatte von der Prüfung der jungen Dame gehört. Er kam, um seine Kräfte mit ihr zu messen, um sie zu besiegen und zu heiraten; es war sein sehnlichster Wunsch, so vornehm und schön war sie. Auch er war jung, schön, tapfer und stark. Im Königreich seines Vaters hatte er niemanden gefunden, der ihm an Stärke gewachsen war. Er war voller Mut dorthin gekommen und hatte tausend Pferde mitgebracht, sodass die Prinzessin, falls sie siegte, tausend Pferde auf einen Schlag gewinnen würde, was kein geringer Gewinn war. Doch der junge Mann war sich seiner so sicher, dass er glaubte, sie gleich beim ersten Versuch zu überwältigen. Qaidu und die Königin, seine Frau, baten ihre Tochter im Stillen, sich von dem jungen Mann besiegen zu lassen, denn sie wären sehr glücklich gewesen, ihn als Ehemann ihrer Tochter zu sehen, da er ein Edelmann und Königssohn war. Die junge Frau lehnte kategorisch ab: Auf keinen Fall würde sie sich aus Gefälligkeit besiegen lassen; wenn es dem Prinzen jedoch gelänge, sie im Ringen zu schlagen, würde sie einwilligen, ihn zu heiraten, wie es vereinbart worden war und nicht anders.

Am festgesetzten Tag versammelten sich alle im Palast von Qaidu, angeführt vom König und der Königin, um dem Ringerkampf beizuwohnen. Zuerst erschien die junge Frau in einem engen Gewand aus Samit, dann der junge Mann in einem Gewand aus Cendal. Es war ein prächtiges Schauspiel. Dann packten sie einander, rangen hin und her, und es verging ein langer Augenblick, bevor einer von beiden die Oberhand über den anderen gewinnen konnte; doch am Ende warf die junge Frau den Jüngling mit großer Tapferkeit zu Boden. So groß waren sein Schmerz und seine Scham, dass er, als er wieder auf den Beinen war, nicht zögerte, sondern im ersten möglichen Augenblick mit seinem gesamten Gefolge abreiste und zu seinem Vater zurückkehrte, verzweifelt darüber, so von einer Frau besiegt worden zu sein - er, der keinen Mann seiner Stärke gefunden hatte. Er ließ ihr die tausend Pferde zurück, die er eigens für diesen Wettkampf mitgebracht hatte. Qaidu und die Königin, seine Frau, waren darüber zutiefst betrübt, denn sie hätten zu gern gesehen, wie der junge Mann siegte und ihre Tochter zur Frau nahm. So widerfuhr ihm dieses traurige Missgeschick.

Von jenem Tage an ritt Qaidu zu keiner Waffentat mehr ohne seine Tochter. In der Tat nahm er sie gerne an seine Seite, denn unter all seinen Rittern gab es keinen Krieger, der imstande gewesen wäre, solche Heldentaten zu vollbringen wie sie. Sie stürzte sich mitten in das feindliche Heer, riss Männer an sich, als wären sie Vögel, und brachte sie zu ihrem Vater zurück. Und dies geschah gar oft.


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Von der Kraft und dem Mut einer der Töchter Qaidus

König Qaidu hatte eine Tochter namens Agiaint, was in der tartarischen Sprache "Glänzender Mond" bedeutet. Sie war so schön und besaß so viel Kraft und Mut, dass kein Mann im gesamten Königreich ihres Vaters sie überwältigen konnte; sie zwang sie alle in die Knie. Ihr Vater versuchte mehrmals, sie zu verheiraten, doch sie wollte nichts davon hören. Sie erklärte, dass sie nur einen Mann heiraten würde, der sie durch bloße Körperkraft bezwingen könne. Der König willigte in ihre Bitte ein; er gewährte ihr das Privileg, wen und wann immer es ihr beliebe zu heiraten. In der Tat war Qaidus Tochter an allen Gliedern so wohlgestaltet und so groß und stark gebaut, dass sie einer Riesin nicht unähnlich war. Sie ließ überall verkünden: Wenn es einem jungen Edelmann, der kommen und seine Kräfte mit ihr messen wollte, gelänge, sie zu bezwingen, würde sie ihn zum Ehemann nehmen; doch wenn sie ihn überwältigte, verwirkte er 100 Pferde an sie. Viele Söhne von Edelleuten trafen ein, um sich mit ihr zu messen, und sie hatte ihnen mehr als 10.000 Pferde abgewonnen, denn sie fand niemanden, den sie nicht überwältigte.

Im Jahre 1280 traf ein edler junger Mann in dem Land ein, der Sohn eines reichen und mächtigen Königs. Er war tapfer, mutig und stark und hatte von der Prüfung der jungen Dame gehört. Er kam, um seine Kräfte mit ihr zu messen, um sie zu besiegen und zu heiraten; es war sein sehnlichster Wunsch, so vornehm und schön war sie. Auch er war jung, schön, tapfer und stark. Im Königreich seines Vaters hatte er niemanden gefunden, der ihm an Stärke gewachsen war. Er war voller Mut dorthin gekommen und hatte tausend Pferde mitgebracht, sodass die Prinzessin, falls sie siegte, tausend Pferde auf einen Schlag gewinnen würde, was kein geringer Gewinn war. Doch der junge Mann war sich seiner so sicher, dass er glaubte, sie gleich beim ersten Versuch zu überwältigen. Qaidu und die Königin, seine Frau, baten ihre Tochter im Stillen, sich von dem jungen Mann besiegen zu lassen, denn sie wären sehr glücklich gewesen, ihn als Ehemann ihrer Tochter zu sehen, da er ein Edelmann und Königssohn war. Die junge Frau lehnte kategorisch ab: Auf keinen Fall würde sie sich aus Gefälligkeit besiegen lassen; wenn es dem Prinzen jedoch gelänge, sie im Ringen zu schlagen, würde sie einwilligen, ihn zu heiraten, wie es vereinbart worden war und nicht anders.

Am festgesetzten Tag versammelten sich alle im Palast von Qaidu, angeführt vom König und der Königin, um dem Ringerkampf beizuwohnen. Zuerst erschien die junge Frau in einem engen Gewand aus Samit, dann der junge Mann in einem Gewand aus Cendal. Es war ein prächtiges Schauspiel. Dann packten sie einander, rangen hin und her, und es verging ein langer Augenblick, bevor einer von beiden die Oberhand über den anderen gewinnen konnte; doch am Ende warf die junge Frau den Jüngling mit großer Tapferkeit zu Boden. So groß waren sein Schmerz und seine Scham, dass er, als er wieder auf den Beinen war, nicht zögerte, sondern im ersten möglichen Augenblick mit seinem gesamten Gefolge abreiste und zu seinem Vater zurückkehrte, verzweifelt darüber, so von einer Frau besiegt worden zu sein - er, der keinen Mann seiner Stärke gefunden hatte. Er ließ ihr die tausend Pferde zurück, die er eigens für diesen Wettkampf mitgebracht hatte. Qaidu und die Königin, seine Frau, waren darüber zutiefst betrübt, denn sie hätten zu gern gesehen, wie der junge Mann siegte und ihre Tochter zur Frau nahm. So widerfuhr ihm dieses traurige Missgeschick.

Von jenem Tage an ritt Qaidu zu keiner Waffentat mehr ohne seine Tochter. In der Tat nahm er sie gerne an seine Seite, denn unter all seinen Rittern gab es keinen Krieger, der imstande gewesen wäre, solche Heldentaten zu vollbringen wie sie. Sie stürzte sich mitten in das feindliche Heer, riss Männer an sich, als wären sie Vögel, und brachte sie zu ihrem Vater zurück. Und dies geschah gar oft.


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