Das Buch von der Jagd, von Gaston Fébus

Beschreibung wie die Wildkatze (Luchs) gejagt und erlegt werden muss - f. 101r, Livre de la chasse, Das Buch von der Jagd, Gaston Fébus, Gaston Phébus, BnF, Bibliothèque nationale de France, frühes 15. Jahrhundert, Paris

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Beschreibung wie die Wildkatze (Luchs) gejagt und erlegt werden muss - f. 101r

Sechsundzwanzig Zeilen reichten, um über die Jagd der Wildkatze zu sprechen. Eine Katze beträchtlicher Größe, da es sich um einen Luchs handelt, mit ozelotartigen Flecken und kleinen spitzen Ohren, wenn auch mit zu langem Schwanz. Die Raubkatze, die an der Seite von einem Speer durchbohrt wird, verteidigt sich mutig vor den zwei Hunden mit Schlappohren, die sie in Rücken und Hals beißen. Das aus dem Kopf des weißen Hundes tropfende Blut zeigt eindeutig, dass die Katze ihn in den Fang gebissen hat. Zwei Hundetreiber stacheln sie an, ohne selbst einzugreifen, obgleich sie bereit sind, den Speer zu schleudern. Die zwei Ritter kommen später und nähern sich im Galopp. Die Szene spielt sich vor einer Kulisse blühender Pflanzen und Farne ab. Drei alte frei stehende Bäume dienen als Vorwand für eine sekundäre Handlung, die einer grauen Katze, die versucht zwischen dem dürftigen Laubwerk des mittleren Baumes Zuflucht zu finden. Ihre seltsame Farbe erinnert an Hauskatzen, die in damaliger Zeit noch sehr selten waren. Die einzige Art und Weise sie zu erlegen, wäre mit einem Pfeil. Doch hier droht ihr keine Gefahr, da die Jäger weder Bogen noch Armbrüste bei sich führen. Die Wildkatze, auch Luchs genannt, wird ohne Ordnung noch Abstimmung und rein zufällig während der Verfolgung des Fuchses und des Hasens angegriffen. Die Auseinandersetzung dauert lang und die Hunde bellen laut, vor allem wenn bei der Hatz Windhunde und Spürhunde zum Einsatz kommen. Hier hat man sich mit einer kleinen Meute von sechs Spürhunden zufrieden gegeben. Es lohnt sich, dieses Bild mit dem des persönlichen Exemplars Fébus, Bogen 90v, zu vergleichen: die Darstellung ist unterschiedlich, zutreffender und vollständiger. Die zwei Ritter galoppieren auf der Höhe des verletzten Luchses, während die Hunde ihn in den Hals und Rücken beißen. Wir können ableiten, dass der Speer schließlich von einem der zwei Ritter geworfen werden wird. Die zu Fuß gehenden Hundeführer mühen sich tatsächlich in keinster Weise, den Luchs zu erlegen. Der erste zeigt seinem Kollegen die auf dem Baum sitzende Katze und der andere zielt mit dem bereits gespannten Bogen auf sie.
 
Yves Christe,
Université de Genève

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