Splendor Solis

f. 26r, Sol (Tafel 15)


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Sonnenschein bestimmt die Atmosphäre im Herrschaftsgebiet des Planeten Sol, dessen Kinder sonnigen Gemütes sind. In einer Aureole gleißenden Lichtes, das im Zenit aus einem wolkigen Himmel hervorbricht, erscheint der golden strahlende Sonnengott in seinem metallisch glänzenden Wagen, der von zwei grauen Rossen gezogen wird. In seinen Händen hält der Planetengott einen Stab mit dem Sonnengestirn. Auf der Erde widmen sich die unter dem Einfluss des Planeten Sol stehenden Menschen der körperlichen Ertüchtigung sowie aristokratischen Spielen und Gebräuchen. Im Vordergrund links hält auf seinem Thron sitzend ein Fürst in orangefarbenem Mantel mit Hermelinkragen Hof. Um ihn hat sich eine Reihe in edles, buntfarbenes Tuch gekleideter Männer versammelt, die zum Teil auf Stichvorlagen von Albrecht Dürer zurückgehen. Das in der Mitte eingefügte Bildfeld präsentiert vor purpurnem Hintergrund die Darstellung einer Phiole, deren gläserne Haut den Blick freigibt auf ein geflügeltes Wesen in Gelb- und Brauntönen mit langem Schwanz, drei langen Hälsen und einem weißen, einem roten und einem schwarzen Kopf.

Über den der Sonnenherrschaft im Splendor Solis zugeordneten Inhalt der Phiole konnte bislang keine Übereinstimmung erzielt werden. Für Hartlaub und Roob stellt die Miniatur einen dreiköpfigen Löwen, Symbol des Eisenvitriols, dar; Alleau erkennt einen dreiköpfigen Drachen, während es sich für Lennep um eine Darstellung des Cerberus handelt. Auch die zugehörige Textpartie, die von der Reinigung der Materie handelt, gibt keinen Aufschluss über das tierische Symbol. Möglicherweise ist die Ambivalenz des Ungeheuers zwischen Drache und Löwe vom Maler bewusst erzeugt. Einen Anhaltspunkt mag diesbezüglich die Inschrift der Farbkartusche in der Nürnberger Handschrift geben; dort heißt es: „Draconem nostrum vivum date devorandum leoni ferocissimo“ (Gebt unserem lebendigen Drachen den wildesten Löwen zum Verschlingen).

Jörg Völlnagel
(Kunsthistoriker, Staatliche Museen zu Berlin)


f. 26r, Sol

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f. 26r, Sol (Tafel 15)

Sonnenschein bestimmt die Atmosphäre im Herrschaftsgebiet des Planeten Sol, dessen Kinder sonnigen Gemütes sind. In einer Aureole gleißenden Lichtes, das im Zenit aus einem wolkigen Himmel hervorbricht, erscheint der golden strahlende Sonnengott in seinem metallisch glänzenden Wagen, der von zwei grauen Rossen gezogen wird. In seinen Händen hält der Planetengott einen Stab mit dem Sonnengestirn. Auf der Erde widmen sich die unter dem Einfluss des Planeten Sol stehenden Menschen der körperlichen Ertüchtigung sowie aristokratischen Spielen und Gebräuchen. Im Vordergrund links hält auf seinem Thron sitzend ein Fürst in orangefarbenem Mantel mit Hermelinkragen Hof. Um ihn hat sich eine Reihe in edles, buntfarbenes Tuch gekleideter Männer versammelt, die zum Teil auf Stichvorlagen von Albrecht Dürer zurückgehen. Das in der Mitte eingefügte Bildfeld präsentiert vor purpurnem Hintergrund die Darstellung einer Phiole, deren gläserne Haut den Blick freigibt auf ein geflügeltes Wesen in Gelb- und Brauntönen mit langem Schwanz, drei langen Hälsen und einem weißen, einem roten und einem schwarzen Kopf.

Über den der Sonnenherrschaft im Splendor Solis zugeordneten Inhalt der Phiole konnte bislang keine Übereinstimmung erzielt werden. Für Hartlaub und Roob stellt die Miniatur einen dreiköpfigen Löwen, Symbol des Eisenvitriols, dar; Alleau erkennt einen dreiköpfigen Drachen, während es sich für Lennep um eine Darstellung des Cerberus handelt. Auch die zugehörige Textpartie, die von der Reinigung der Materie handelt, gibt keinen Aufschluss über das tierische Symbol. Möglicherweise ist die Ambivalenz des Ungeheuers zwischen Drache und Löwe vom Maler bewusst erzeugt. Einen Anhaltspunkt mag diesbezüglich die Inschrift der Farbkartusche in der Nürnberger Handschrift geben; dort heißt es: „Draconem nostrum vivum date devorandum leoni ferocissimo“ (Gebt unserem lebendigen Drachen den wildesten Löwen zum Verschlingen).

Jörg Völlnagel
(Kunsthistoriker, Staatliche Museen zu Berlin)


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