Splendor Solis

Splendor Solis f. 27r, Merkur (Tafel 16)

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f. 27r, Merkur (Tafel 16)

Die 1582 datierte Miniatur erscheint als fünfte der Planetenfolge, obwohl Merkur eigentlich an sechster Stelle steht. Vermutlich aufgrund eines Fehlers in der Vorlage wurden im Harley MS 3469 die Miniaturen der Planeten Venus und Merkur vertauscht, so dass hier Venus auf Merkur folgt.

In seinem offenen Wagen, der von zwei Hähnen in Grautönen gezogen wird, zieht der Planetengott Merkur seine Bahn. In der rechten Hand hält er sein Attribut, den goldfarbenen Schlangenstab Caduceus. Die vom Planeten Merkur regierte Erde gibt der Maler als urbanen Straßenprospekt, vor dem Menschen den Künsten, Wissenschaften und dem Handel nachgehen. Das innere Bildfeld zeigt die in einer halbrunden Nische stehende gläserne Phiole, in der sich eine bekrönte Königin befindet, mit einem goldenen Szepter in der linken und einem goldenen Apfel in der rechten Hand. Die mit entblößter Brust dargestellte Frau ist mit einer hellen Toga und Sandalen bekleidet. Sie steht auf einem goldenen Kopf am Boden der Phiole, dem Planeten Merkur, dessen von hellem Glanz und goldenen Strahlen umgebenes Gesicht nach unten gewandt ist. Auch die Erscheinung der Königin selbst ist von einer schimmernden, gestreiften Gloriole und silbernen Strahlen umgeben.

Das Motiv der weißen Königin im Vas Hermeticum geht auf eine Miniatur im Donum Dei zurück. Analog zur christlichen Heilslehre wird sie als Mutter des jungen Prinzen interpretiert, der in der eigentlich folgenden, siebten Illustration der Planetenserie als roter König die Vollkommenheit des Werkes symbolisiert. So lautet die in der Nürnberger Handschrift zu findende Inschrift der Farbkartusche: „Filius natus ex me, major est me“ (Der aus mir geborene Sohn ist größer als ich). In ihrem weißen Gewand steht die Königin zugleich für die Phase der Albedo, des Kleinen Werkes, der vorletzten Stufe der Transmutation, die zur Erzeugung von Silber befähigt. Die in der Literatur konstatierte Schwangerschaft der Königin ist ihrer Darstellung jedoch kaum zu entnehmen.

Jörg Völlnagel
(Kunsthistoriker, Staatliche Museen zu Berlin)


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