Splendor Solis

f. 28r, Venus (Tafel 17)


Zurück

Die 1582 datierte Venus-Miniatur müsste, wie ausgeführt, in der Planetenfolge eigentlich an fünfter Stelle stehen. Die Regentschaft der Venus ist von Genuss, Kurzweil, Freude und Schönheit geprägt. Über dem lustvollen Treiben fährt die Planetengöttin in ihrem orangefarbenen Himmelswagen, vor den zwei Tauben gespannt sind. In ihrer Linken hält Venus als Attribut einen Pfeil. Mit der Rechten sichert sie den angeleinten Amor, der mit verbundenen Augen einbeinig auf dem Kutschbock balanciert und gerade im Begriff steht, mit seinem Bogen einen Pfeil abzuschießen. Die Erscheinung der Planetengöttin, die von einem Wolkenkranz gesäumt in hellem Licht erstrahlt, wird von einem geflügelten, pfeildurchbohrten Herz begleitet, das wie ein Leitmotiv am Himmel steht. Um das innere Bildfeld herum komponiert der Maler verschiedene Szenen menschlichen Treibens in der freien Natur. Eine höfische Szene am unteren Bildrand zeigt leiblichen wie musikalischen Genuss. Die rechte Bildseite ist der einfacheren, bäuerlichen Gesellschaftsschicht vorbehalten, eine für die Planetenkinder der Venus eher unübliche Klientel: Die Bauernkirmes mit Dudelsackbläser und tanzenden Paaren wird vorne durch ein Liebespaar im Schatten eines Baumes und hinten durch ein auf einem Pferd ausreitendes Paar gerahmt. Im Zentrum der Miniatur befindet sich die zweite Bildebene: In einer Nische, die aus Pilastern und vorgestellten Säulen gebildet ist, steht eine Phiole, in deren Innerem ein prachtvoller Pfau sein Rad schlägt.

Der Pfauenschweif dient der Alchemie als Sinnbild für wechselnde Farberscheinungen, die auf einer bestimmten Stufe der Transmutation in der Phiole sichtbar werden. Die Darstellung des Pfauen, der im Mittelalter als noble oiseau höheren Gesellschaftsschichten zugeordnet wurde, erfolgt auf der fünften Stufe des Prozesses im Planetenbild der Venus. Petra Schramm wagt eine Gesamtdeutung der Miniatur und betrachtet die musizierenden, spielenden und tanzenden Planetenkinder als Vorspiel der Chymischen Hochzeit zur Erhöhung der Liebesfähigkeit. Die beiden der Venus zugeordneten Vögel galten dabei als Aphrodisiaka: Pfauenfleisch sollte die männliche Potenz erhöhen und Taubenfleisch die Hingebungsbereitschaft der Frauen.

Jörg Völlnagel
(Kunsthistoriker, Staatliche Museen zu Berlin)


f. 28r, Venus

Zurück

f. 28r, Venus (Tafel 17)

Die 1582 datierte Venus-Miniatur müsste, wie ausgeführt, in der Planetenfolge eigentlich an fünfter Stelle stehen. Die Regentschaft der Venus ist von Genuss, Kurzweil, Freude und Schönheit geprägt. Über dem lustvollen Treiben fährt die Planetengöttin in ihrem orangefarbenen Himmelswagen, vor den zwei Tauben gespannt sind. In ihrer Linken hält Venus als Attribut einen Pfeil. Mit der Rechten sichert sie den angeleinten Amor, der mit verbundenen Augen einbeinig auf dem Kutschbock balanciert und gerade im Begriff steht, mit seinem Bogen einen Pfeil abzuschießen. Die Erscheinung der Planetengöttin, die von einem Wolkenkranz gesäumt in hellem Licht erstrahlt, wird von einem geflügelten, pfeildurchbohrten Herz begleitet, das wie ein Leitmotiv am Himmel steht. Um das innere Bildfeld herum komponiert der Maler verschiedene Szenen menschlichen Treibens in der freien Natur. Eine höfische Szene am unteren Bildrand zeigt leiblichen wie musikalischen Genuss. Die rechte Bildseite ist der einfacheren, bäuerlichen Gesellschaftsschicht vorbehalten, eine für die Planetenkinder der Venus eher unübliche Klientel: Die Bauernkirmes mit Dudelsackbläser und tanzenden Paaren wird vorne durch ein Liebespaar im Schatten eines Baumes und hinten durch ein auf einem Pferd ausreitendes Paar gerahmt. Im Zentrum der Miniatur befindet sich die zweite Bildebene: In einer Nische, die aus Pilastern und vorgestellten Säulen gebildet ist, steht eine Phiole, in deren Innerem ein prachtvoller Pfau sein Rad schlägt.

Der Pfauenschweif dient der Alchemie als Sinnbild für wechselnde Farberscheinungen, die auf einer bestimmten Stufe der Transmutation in der Phiole sichtbar werden. Die Darstellung des Pfauen, der im Mittelalter als noble oiseau höheren Gesellschaftsschichten zugeordnet wurde, erfolgt auf der fünften Stufe des Prozesses im Planetenbild der Venus. Petra Schramm wagt eine Gesamtdeutung der Miniatur und betrachtet die musizierenden, spielenden und tanzenden Planetenkinder als Vorspiel der Chymischen Hochzeit zur Erhöhung der Liebesfähigkeit. Die beiden der Venus zugeordneten Vögel galten dabei als Aphrodisiaka: Pfauenfleisch sollte die männliche Potenz erhöhen und Taubenfleisch die Hingebungsbereitschaft der Frauen.

Jörg Völlnagel
(Kunsthistoriker, Staatliche Museen zu Berlin)


Cookie-Einstellungen

Wir verwenden eigene Cookies und Cookies von Dritten, um unsere Dienste zu verbessern, indem wir Ihre Surfgewohnheiten analysieren. Weitere Informationen finden Sie unter Unsere Cookie-Richtlinie. Sie können alle Cookies akzeptieren, indem Sie auf die Schaltfläche Akzeptieren klicken, oder ihre Verwendung konfigurieren oder ablehnen, indem Sie HIER klicken.